Westküste, Inseln und Halligen
Die Nordseeküste Schleswig-Holsteins ist eine Landschaft ständigen Wandels. Veraltete Landkarten erkennt man daran, wie sie Eindeichungsgebiete (Köge),
Vorland und Wattenmeer im Bereich der ehemaligen - heute landfesten Insel Nordstrand darstellen. Das Nordfriesische bzw. Dithmarscher Festland, die Inseln und die Halligen im Wattenmeer bieten
sehr unterschiedliche Landschaftsformen, die sich komplett von den übrigen Landschaften Schlewig-Holsteins abheben. Eindeutiges Highlight an der Westküste Schleswig-Holsteins sind die vorgelagerten Inseln und Halligen.
Wer dort nicht war, war nicht an der Nordseeküste!
Das Festland ist aber keineswegs trostlos! Wichtig für Radwanderer ist, die Hauptstraßen zu meiden. Es gibt ein dichtes Netz kleiner Nebenstraßen - nahezu autofrei - auf denen man ohne
große Umwege mit dem Fahrrad vorankommt. Lohnende Ziele im küstennahen Bereich sind vor allem die Städte: Husum, Friedrichstadt, Tönning, St.-Peter-Ording.
Die exponierte Lage in der Hauptwindrichtung und das fast völlige Fehlen von Wäldern machen eine Fahrradtour bei entsprechender Windstärke je nach Fahrtrichtung zu einer entspannten
Sausefahrt oder zu einem schweißtreibenden Ritt in Kriechgeschwindigkeit.
Die Hauptwindrichtung ist Nordwest - manchmal etwas mehr von Norden, dann wieder mehr von Westen. Wer die Nordseeküste Schleswig-Holsteins abradeln möchte, startet am besten im Norden.
Umgekehrt geht auch - muss aber nicht sein.
Bei Anreise mit der Bahn ist zu berücksichtigen, dass die Strecke Hamburg - Westerland zu den am stärksten ausgelasteten Bahnstrecken in Schleswig-Holstein gehört.
Verspätungen sind einzukalkulieren. In den Fahrradabteilen ist es oft drangvoll eng und in InterCity-Zügen sind Fahrradplätze im Voraus zu buchen.
Vermeidbar ist diese Bahnline nur, wenn man bis Husum, Heide, Büsum oder St.-Peter-Ording anreist (Strecken Kiel - Husum - St.-Peter-Ording, Neumünster - Heide - Büsum) - oder gleich auf
dem Fahrrad kommt.
Sylt
Die Insel der Reichen und Schönen ist gleichzeitig die größte deutsche Nordseeinsel. Der Strand und die Dünenkette sind
beinahe 40 km lang und bieten ein einzigartiges Naturerlebnis.
Leider herrscht auf Sylt ein unsäglicher Autoverkehr, so dass es sehr angeraten ist, die Hauptstraßen zu meiden.
Etwas abseits des Motorengebrumms existiert ein rege benutzter Radweg auf der ehemaligen Inselbahntrasse, der ganz Sylt von Nord nach Süd durchmisst.
Autoarme Strecken gibt es wegen der besonders schmalen
Form der Insel nur im Osten. Dort findet man in hübschen Dörfern zahlreiche herausgeputzte Friesenhäuser.
Wer autoarme Fahrradferien genießen und die Beschaulichkeit will, sucht sich lieber eine andere Insel.
Die Anreise mit der Bahn ist im Prinzip besonders einfach, wenn man einen Platz im Fahrradabteil findet. Der Zug endet in Westerland, mitten auf der Insel.
Empfehlenswert ist allemal die Anreise ohne Fahrrad - noch im Bahnhof befindet sich der erste Fahrradverleih.
Alternativ zur Bahn gibt es eine Fähre von der dänischen Insel Rømø nach List auf Sylt. Außerdem verkehrt im Sommer ein Personen-Schnellboot von Nordstrand Fährhafen Strucklahnungshörn bis Hörnum auf Sylt,
das Fahrräder mitnimmt, wenn genug Platz ist.
Warnung: Der Hindenburgdamm, der Sylt mit dem Festland verbindet, darf nicht betreten oder befahren werden.
Wer es doch versucht, wird mit 100%iger Sicherheit gefasst und zahlt eine empfindliche Geldstrafe!
Föhr
Auf der kinder- und familienfreundlichen Nordseeinsel Föhr geht es geht es gemächlich zu. Der Autoverkehr ist erträglich. Außer auf den wenigen Hauptstraßen im Inselhauptort Wyk und
noch weniger Hauptverkehrsstraßen auf der restlichen Insel gehört Föhr seit etlichen Jahren den Radfahrern. Spektakuläre Dünen und unermeßliche Strände gibt es auf Föhr nicht.
Das Fahrraderlebnis besteht aus entspannten Erkundungstouren im beschaulichen Wyk und einfachen Radtouren auf nahezu autofreien Sträßchen über die Inseldörfer zu den verschiedenen Stränden oder Küstenabschnitten, von wo
aus es weite Aussichten ins Wattenmeer zu den benachbarten Inseln und Halligen gibt. Auch an der Deich-Außenseite lässt sich oft gut radeln - im Norden mit Blick ins
Vorland - Eine Freude für Seevogelliebhaber. Die Tourenlänge wird kaum 25-30 km übersteigen.
Ein eigenes Fahrrad mitzunehmen lohnt sich kaum, da mehrere Fahrradverleihe gute Fahrräder, Kindertandems, Kinderanhänger und Nachläufer (Trailerräder) anbieten. (In der Hauptsaison ist es ratsam, Anhänger und
anders Sonderzubehör vorab zu reservieren.)
Föhr erreicht man mit der Fähre von Dagebüll-Mole. Der Zug fährt bis zum Anleger. Fährtickets und Bahntickets für die Rückreise kauft man ohne Preisaufschlag im Zug auf der Strecke zwischen Niebüll und Fährhafen Dagebüll
(bzw. auch auf der Rückfahrt). Im Fernverkehr kann eine durchgehende Fahrradkarte für Bahn und Fähre nach Föhr gelöst werden.
Leider ist das Umsteigeschäft in Niebüll beschwerlich (Unterführung, kein Fahrstuhl).
Amrum
Der Strand ist einzigartig breit, die Dünen spektakulär.
Es lohnt sich nicht, sein Auto mit nach Amrum zu nehmen. Ohnehin ist dort nur die Fahrt vom Fähranleger in Wittdün bis zum Feriendomizil gestattet.
Folglich ist Amrum de facto nahezu frei von Autoverkehr und damit ein ideales kinderfreundliches Radfahrer-Revier.
Mehrere Fahrradverleihe buhlen um die Gunst der Besucher. Im Angebot ist alles, was eine Familie benötigen könnte: Fahrräder, Kindertandems, Kinderanhänger und Nachläufer (Trailerräder) etc.
So gesehen kann man es sich ersparen, die Strapazen einer Anreise mit Fahrrad und Bahn auf sich zu nehmen.
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln geschieht über den Fährhafen Dagebüll-Mole mit direktem Bahnanschluss. Möglich ist auch die Fährfahrt ab Schlüttsiel. Außerdem verkehrt im Sommer
ein Personen-Schnellboot von Nordstrand Fährhafen Strucklahnungshörn, das auf Amrum anlegt.
Im Fernverkehr kann eine durchgehende Fahrradkarte für Bahn und Fähre nach Amrum gelöst werden (über Dagebüll).
Nein, es ist nicht möglich, auf der Wattwanderung von Föhr nach Amrum ein Fahrrad mitzunehmen!
Pellworm
Pellworm ist eine beschauliche familienfreundliche Insel - zwar mit Bademöglichkeiten aber ohne Strand und ohne Massentourismus.
Ein ausgewiesenes Netz von Radrundtouren erschließt die Insel mit seinen Sehenswürdigkeiten. Im Prinzip sind hier alle Straßen sehr verkehrsarm.
Auch an der Deich-Außenseite lässt sich oft gut radeln.
Die Länge einer Radtour wird selten 20 km
übersteigen - das freut auch die Kinder. Wer Ruhe sucht, ist hier richtig.
Die Insel Pellworm mit öffentlichen Verkehrsmitteln - die auch Fahrräder in größerer Stückzahl transportieren - zu erreichen, ist
schon etwas schwieriger, es gibt keine direkte Bahnanbindung des Fährhafens Strucklahnungshörn auf Nordstrand. Der Bus von Husum nimmt allerdings Fahrräder (in begrenzter Zahl) mit
- Voranmeldung ist zu empfehlen. Mit dem Fahrrad ist die Strecke von Husum bis zum Fähranleger nicht wesentlich über 20 km lang. Mit einer guten Karte (s. unten) lassen sich optimale Nebenwege finden.
Die Fähre zwischen Strucklahnungshörn und Pellworm verkehrt mehrmals täglich.
Nordstrand
Eigentlich ist Nordstrand keine Insel mehr, da sie mittlerweile durch umfassende Landgewinnung und Eindeichungen landfest geworden ist. Einen besonderen friesischen Inselcharakter besitzt Nordstrand
leider auch nicht mehr, da praktisch alles an Kultur und Bausubstanz, was diesen Charakter ausmachen könnte, mehreren verheerenden Sturmfluten zum Opfer gefallen ist, nach denen die Insel völlig neu
erstanden ist. Die touristische Attraktivität ist daher begrenzt, mit Ausnahme des Beltringharder Kooges, dem neuesten Koog an der Westküste Schleswig-Holsteins.
In den 80er Jahren entstand aus dem sehr umstrittenen Eindeichungsprojekt der Nordstrander Bucht zwischen Nordstrand und der Hallig Nordstrandischmoor schließlich ein riesiges Salzwasser-Reservat für Seevögel.
Dieses kann man am neuen Außendeich umrunden - wobei man hier - wie auf Nordstrand - auch auf der Deich-Außenseite mit Blick ins Wattenmeer wunderbar radeln kann.
Halligen
Mit Ausnahme von Hallig Langeneß und Hallig Hooge sind die Halligen zum längeren Radfahren ungeeignet - weil zu klein.
Die Halligen befinden sich völlig unberührt vom Massentourismus weit ab im Wattenmeer. Hier läuft das Leben gemächlich und wenn die Tagestouristen mit der letzten Fähre verschwunden sind,
breitet sich eine beneidenswerte Ruhe über die Eilande. Autoverkehr ist fast unbekannt. Man kann seine kleinen Kinder endlich einmal unbewacht radeln lassen.
Hooge und Langeneß werden mehrmals täglich von den Halligfähren (meist ab Fährhafen Schlüttsiel) angelaufen. Fahrräder können immer mitgenommen werden.
Allerdings kann man auch für wenige Euros jeweils am Anleger ein einfaches Rad mieten.
Die Lorenbahnen Dagebüll - Oland - Langeneß und Lüttmoorsiel - Nordstrandischmoor dienen nicht dem Transport von Tagestouristen!
Helgoland
Nur der Vollständigkeit halber hier erwähnt: Helgoland. Was das Radfahren betrifft, ist Helgoland ein echter Sonderfall.
Hier ist nämlich der Autoverkehr verboten, Radfahren allerdings auch! Bei einer Fläche von weniger als 2 qm, wäre
jede Radtour auch schnell zuende.
Landkarten zum Radfahren